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Sylvia Dellinger (vormals Weber)

Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz

Linkshänderberatung nach Dr. Sattler

 

94447 Plattling, Landauer Str. 89

 

Tel. Sprechzeit Mo. - Fr. 12 - 13 Uhr: 09931 - 98 27 132

 

 

Sylvia Dellinger: Rückschulungserfahrungen von Erwachsenen

 

Thomas, Rückschulungsbeginn mit 40 Jahren, Stand nach 7 Jahren, Interview

 

Wie alt waren Sie, als Sie die Rückschulung angefangen haben?

Mit 40 ungefähr, oder etwas früher.

 

Was war der Grund dafür?

Ich wusste, dass ich umgeschulter Linkshänder bin, die Thematik kam, weil ich schon immer das Gefühl hatte, dass ich nicht in meine Kraft komme. Das war der Anlass sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Weil ich ja wusste, dass man das mit der Umschulung heute nicht mehr macht und auf gar keinen Fall machen sollte. Dann fing ich an, nachzuforschen.

 

Sie meinten also, Sie kommen mit der Rückschulung in Ihre Kraft.

Zumindest die Hoffnung war halt da.

 

Wie war Ihre Vorstellung davon, wie es ist, wenn Sie in Ihre Kraft kommen?

Dass sich dann ein besseres Selbstwertgefühl entwickelt.

 

Was würde sich dadurch verändern?

Es ging um das Berufliche. Ich dachte, dass ich dann in der Selbstständigkeit eine andere Linie bekommen würde, um beruflich erfolgreich zu sein.

Durch die Rückschulung sollte sich das Selbstwertgefühl verbessern, damit die berufliche Präsenz und damit Ihr beruflicher Erfolg als Selbstständiger?

Ja.

 

Wie sind Sie denn vorgegangen?

Ich hab mich erstmal vorab im Internet informiert – da fällt mir ein, ich hab schon viel früher angefangen, mich damit auseinanderzusetzen, mit 35 ungefähr, weil ich dann eine Zeit lang gemalt habe und das hab ich dann mit links gemacht.

 

Sie haben schon immer mit links gemalt?

Nicht immer, aber ich hatte eine Zeit, in der ich gemalt habe, einfach, weil es mir Spaß gemacht hat, mit links. Da hatte ich diese Wachsstifte und da war ich öfter unterwegs und bin abends oft da gesessen und hab mit links gemalt. So fing das an.

 

So haben Sie das Thema intuitiv schon früher hoch geholt?

Ja, genau. Da bin ich mir ziemlich sicher, dass das so anfing – das ist aber dann wieder in Vergessenheit geraten. Ein paar Jahre später hab ich das dann wieder aufgegriffen. Im Internet über Foren hab ich drüber gelesen, dann hab ich das Buch von der Sattler gekauft „Der umgeschulte Linkshänder oder der Knoten im Gehirn“. Und dann hab ich angefangen mit links zu schreiben.

 

Ohne Begleitung?

Ohne Begleitung.

 

Sie haben sofort geschrieben?

Ich hab zuerst die Schwungübungen gemacht, ich war dann bei einer Linkshänderberatung, dann hab ich das Schreiben langsam angefangen.

 

Das Schreiben zu dem Zeitpunkt anzufangen, kam über die Beratung?

Nein, eine Beratung hab ich dann nur noch zwei- dreimal in Anspruch genommen, das Schreiben hab ich dann einfach selbst angefangen.

 

Wie ging es Ihnen denn dann damit?

Mit dem Linksschreiben kam immer das Gefühl, ich tauche in die Vergangenheit ab, ganz viele Erinnerungen aus der Grundschule kamen dann hoch.

 

Währenddessen?

Während dem Schreibprozess, ja, da kamen viele Erinnerungen hoch aus der Schule.

 

Die waren dann nicht so angenehm? Das – ich glaube, ich erinnere mich, dass Sie mir sagten, dass sie in eine Art Zwiespalt gekommen sind?

Das ist richtig, das war eher belastend. Das war ein Schmerz, es kam so eine Trauer hoch. Oder eine Verletzung.

 

Trauer und Verletzung – haben Sie darüber mit jemandem gesprochen?

Nein, nein.

 

Oder, dass Sie das als einen Anlass für eine Therapie genommen haben?

Nein, hab ich nicht.

 

Haben Sie das auch nicht der Beraterin gegenüber angesprochen?

Nein. Ich hab mit der Beraterin ja nur zwei- dreimal Kontakt gehabt, dann hab ich es auch sein gelassen. Es war einfach zu weit.

 

Ich weiß von Ihnen, dass Sie ja weiter schreiben geübt haben, es ist aber bei Ihnen nie zu einer Umstellung auf links gekommen.

Umstellung schon, weil ich früher die Maus mit rechts bedient habe, jetzt ausschließlich mit links. Im Alltag hab ich immer mehr mit links gemacht. Eine Zeit lang hab ich Dinge ganz bewusst mit links gemacht, immer bewusster die linke Hand hergenommen. Bis auf das Schreiben hab ich mich schon auf links rückgeschult, würde ich sagen.

 

Wenn man Ihnen länger beim Hantieren zusieht, ist da auch überhaupt nichts mehr rechts zu sehen.

Ja, ja, früher war da schon mehr rechts, Geld rausgeben zum Beispiel mach ich nur noch mit links, das ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit geworden.

 

Und das Schreiben?

Im Alltag schreibe ich ja praktisch nicht. Ich hab fast jeden Tag über ein paar Monate hinweg links geübt, ein bisschen was geschrieben, aus einem Buch abgeschrieben. Das dann komplett alles auf links, das war mir irgendwie...das was ich im Alltag mit links mache und integriert habe, das sollte jetzt reichen, ich wollte nicht auch noch das Schriftliche umstellen.

 

Obwohl Sie wussten, dass das Schreiben normalerweise stärker wirkt?

Ja, das ist richtig.

 

Das musste ja seinen Grund haben.

Ja, ich war in einer Situation wo ich mir das dann nicht noch zusätzlich aufbürden wollte.

 

Das war Ihnen dann seelisch zu viel?

Ja, das war mir zu viel. Vielleicht fang ichs ja nochmal irgendwann an, das kann schon sein. Aber da muss nochmal ein bisschen Luft sein.

 

Dann würden Sie wieder an diesem Punkt stehen – was machen Sie mit diesen Erinnerungen, mit dieser Trauer?

Ja, das stimmt, aber das eine oder andere ändert sich dann doch, denke ich. Da wo ich mit links geschrieben hab war halt da, wo mein Vater gestorben ist, was halt sehr mit der Familie verbunden war. Und dadurch fiels mir wahrscheinlich leichter, damit anzufangen.

 

Das hab ich jetzt nicht verstanden.

Es war ja eine Trauer da und ich konnte mich nochmal mit meiner Familie oder mit meiner Vergangenheit auseinandersetzen, das nochmal näher herholen. Was mir jetzt etwas schwerer fällt, weil es weiter weg ist.

 

Heißt das, dass das Schreiben mit links Ihnen Ihre Familie in dem Moment wieder näher gebracht hat?

Ja, schon, weil ja viele Kindheitserinnerungen auftauchen. Meine Mutter ist ja schon vor ewigen Zeiten gestorben.

 

Oder die Familie wieder her geholt, festgehalten?

Nicht direkt, aber indirekt.

 

Könnte man sagen, sie haben Ihren Vater damit etwas festhalten können?

Ja, genau, festgehalten, die Trauer war da und ich habe meinen Vater damit noch etwas lebendig halten können. Es war wohl mit eine Art Trauerbewältigung. Die Trauer war so groß, es war halt doch ein Riesenverlust, weil ich ja doch recht viel Kontakt hatte mit ihm in den letzten Jahren und ihn auch beim Sterben begleitet hab, wo er mir sehr nah war. In dieser schwierigen Zeit bin ich in das Haus meiner Großeltern gezogen, was sehr viel mit Familie zu tun hatte, mit meiner Kindheit. Meine Großmutter, die da gelebt hat, lange Jahre – oder eigentlich ihr ganzes Leben lang und ich war ja auch gerne da. Auch mit diesem Haus sind viele Kindheitserinnerungen verknüpft.

 

Wenn Sie sich jetzt anschauen, was die Rückschulung bewirkt hat und was Sie eigentlich vor hatten damit, ist da für Sie ein Zusammenhang?

Nein. Da ist eigentlich kein Zusammenhang. - Na ja, wobei – es ist ein Zusammenhang. Weil ich mich dann getraut habe, beruflich etwas ganz anderes zu machen. Also so gesehen, hats mir schon was gebracht, beruflich. Ich habe mich beruflich verändert, ganz massiv – und das hat mir schon viel gebracht, sehr viel. Weil ich wahrscheinlich dadurch dann den Mut bekommen hab, das zu machen.

 

Könnte man das so sagen: Dass Sie sich über das Schreiben mit links die Kraft aus der Familie für die berufliche Veränderung geholt haben?

Die Geborgenheit vielleicht, eine gewisse Geborgenheit.

 

Die Geborgenheit der Familie brachte das nötige Selbstwertgefühl, den Mut dafür? Kann man das so sagen?

Ja, verknüpft mit dem Haus, verknüpft mit meinem Vater, der da noch irgendwie präsent war in Form von der Geborgenheit im Haus. Woanders wäre das schwieriger gewesen.