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Sylvia Dellinger (vormals Weber)

Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz

Linkshänderberatung nach Dr. Sattler

 

94447 Plattling, Landauer Str. 89

 

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Sylvia Dellinger: Rückschulungserfahrungen von Kindern

 

Lena, Rückschulungsbeginn mit 6 J. 10 Mon. ab Januar der 1. Klasse, Stand nach 1 Jahr, Bericht der Mutter

 

Der Anlass für die Testung von Lena waren intensive Beobachtungen, nachdem ich das Freiarbeitsheft der 1.Klasse von Lena das erste Mal durch geblättert habe. Die Kinder dürfen vorm Unterricht Wochenaufgaben selbstständig bearbeiten. Da Lenas große Schwester (11 Jahre) Linkshänderin ist, sind mir im Heft die gleichen Schreibweisen bei Lena aufgefallen, so wie ich sie von ihrer Schwester her kannte z.B. das durchstreichen eines Wortes von rechts unten nach links oben oder das Kreise von links gezogen werden, das bei gemalten Tieren alle nach links schauen. Daraufhin haben mein Mann und ich genaue Beobachtungen angestellt. Lena war nach dem Schuleintritt im September jeden Tag sehr müde von der Schule, so dass sie 3 - 4 Mal die Woche einen Mittagsschlaf von 1 - 3 Stunden hielt. Was für sie eher ungewöhnlich war, und aus der Kindergartenzeit nicht üblich war. Nach 3 Monaten Schule machten sich deutliche Verspannungen im Schulter Nackenbereich auf der rechten Seite bemerkbar. Bei den Hausaufgaben war sie oft angespannt und gereizt. Fotos von Lena haben im Nachhinein keine Schlüsse auf eine Linkshändigkeit nach sich ziehen lassen. Auch auf Nachfrage beim Kindergarten Personal, war die Händigkeit nie ein Thema. Umso wichtiger erschien es mir die Händigkeit testen zu lassen, um eine eventuelle Rückschulung in Betracht zu ziehen. Lena wurde am ... getestet, mit dem Ergebnis das sie eine umgeschulte Linkshänderin ist. Da ihrer Schwester Linkshänderin ist, hat sie sich wohl schon früh umorientiert rechtshändig zu sein, weil die Position der Linkshändigkeit in der Familie schon besetzt war. Lena wollte das Ergebnis nicht annehmen und hat bitterlich geweint, sie wollte keine Linkshänderin sein. Auch ihrer Schwester fühlte sich um ihre Besonderheit die einzige Linkshänderin in der Familie zu sein betrogen. Nachdem der Schock jedoch von allen verdaut war, bot jedoch ihre Schwester Lena ihre Unterstützung an. Lena hat sich mit dem Ergebnis ein Linkshänder zu sein anfangs sehr schwer getan und hat sich von Innen versperrt. Sie wollte auch nicht, dass es jemand aus der Familie oder in der Schule erfährt. Ohne die Bereitschaft von Lena selbst wäre eine Rückschulung nicht möglich gewesen. Das schwerste für mich war, keinen Druck auf Lena auszuüben und sie nicht überreden zu wollen mit einer Rückschulung zu beginnen. Da es im Freundeskreis ebenfalls ein Mädchen gab das eine Rückschulung machte, ist das Thema Rückschulung dennoch schön langsam angelaufen. Wir begannen im Januar mit der Rückschulung. Wir haben regelmäßig Schwungübungen und Schreibübungen aus speziellen Übungsheften gemacht. Die linke Hand musste trainiert werden, was anfangs noch schwer war. Nach ca. ½ Jahr hatte Lena einen Durchhänger und wollte nicht mehr üben. Daraufhin haben wir die Grundschullehrerin über die Rückschulung informiert. So haben wir den Kompromiss gefunden dass Lena die Hausaufgaben mit der linken Hand macht und somit die täglichen Übungen wegfallen. Durch die enge Zusammenarbeit Elternhaus-Schule-Beratung konnte Lena  nach den Sommerferien im September, sowohl zu Hause, als auch im Unterricht auf die linke Hand umstellen. Weiterhin blieben wir regelmäßig bei der Beratung. Lena hatte so eine neutrale Anlaufstelle, um fragen zu können und Hilfestellung zu bekommen. Die Ermüdungen nach der Schule sind deutlich zurückgegangen, ebenso haben sich die Verspannungen im NackenSchulter Bereich aufgelöst. Lena geht nun sehr offen mit ihrer Händigkeit um und stellt zunehmend fest, wie leicht sie sich in vielen Dingen mit der linken Hand tut.  So wurde das von mir gewünschte Ziel erreicht, dass Lena die Schreibschrift mit der linken Hand erlernt. Wenn es mal schnell gehen muss, wie sie selbst sagt, nimmt sie manchmal noch die rechte Hand her, auch Schulaufgaben hat sie während der Umstellung weiterhin mit rechts geschrieben. Die Unterstützung und Rücksichtnahme der Lehrerin war zur Rückschulung sehr hilfreich, vor allem was die Schnelligkeit beim Schreiben oder das Schriftbild betraf. Zusammenfassend hat die Rückschulung ca. ein Jahr gedauert. Lena ist auf einem guten Weg, für uns denke ich, war es der richtige Weg die Rückschulung durchzuführen und wir würden es wieder genauso machen.

Die Meinung zur Rückschulung von Lena selbst lautet wie folgt: Der Test war naja, als ich das Ergebnis erfahren habe, hab ich geheult, weil ich keine Linkshänderin sein wollte. Nur ein Kind in der Klasse ist Linkshänder und das ist ein Junge. Es ist ein „Schmarrn“ mit der rechten Hand zu schreiben wenn man doch eigentlich Linkshänder ist. Das Üben war langweilig. Wir mussten immer so lange zu Frau Dellinger fahren (Anm.: 1 Std.), das war nervig. Frau Dellinger hat mir gezeigt wie man mit der Schere und der Schablone umgeht, wir haben geredet, gemalt z.B. Wasserfarben. Meine Hand hat mir danach oft weh getan. Aber es war kein Fehler die Rückschulung zu machen, ich finde es jetzt ok, so wie es ist.

 

Anm. Sylvia Dellinger: Lena schreibt heute wieder mit rechts.