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Sylvia Dellinger  

Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz

Linkshänderberatung nach Dr. Sattler

 

 

 

Sylvia Dellinger: Rückschulungserfahrungen von Erwachsenen

 

Christian, Rückschulungsbeginn mit 50 Jahren, Stand nach 5 Jahren, Bericht

 

Rückschulung, eine Rückschau

 

Vor fünf Jahren begann ich meine „Rückschulung“: Nach fast 50 Jahren wieder mit der linken Hand zu schreiben, statt mit der rechten.

 

Das war zunächst eine Art Geste an meinen damals fünfjährigen Sohn. Für diesen war gerade mit Hilfe einer Linkshänder-Beraterin etabliert worden, dass er ein „nicht-gefestigter Linkshänder“ sei, und man ihm in einem zusätzlichen Jahr vor der Einschulung sinnvollerweise viel Unterstützung bieten solle, zu seiner Linkshändigkeit zu stehen. Und damit er zu Hause nicht der einzige am Tisch ist, der „anders“ ist, entschied ich mich, es ihm gleich zu tun.

 

Zwar hatte ich von Warnungen gehört, einen solchen Weg zu gehen, doch schien mir das Risiko gering, und der potentielle Nutzen groß.

 

Der Anfang war geradezu idyllisch, ja fast euphorisch: Ich schrieb mit meiner linken Hand selbstgetextete Gedichte; sah zu, wie die vor langer Zeit gelernte, kindliche Schreibschrift aus meinem Füller perlte; alles nicht leicht, aber machbar.

 

Parallel las ich mich ein in den theoretischen Hintergrund der Händigkeitsproblematik, nahm Abschied von meinem ganz eigenen Konzept der „Beidhändigkeit“, und erinnerte meine Lebenslügen als siebenjähriger Schuljunge, mit denen ich mir und meiner Umwelt erklärt hatte, warum ich „nicht anders konnte“, als mit rechts statt links zu schreiben...

 

Doch dann begann ich eine Ausbildung, bei der eine Vielzahl (hand-)schriftlicher Klausuren zu absolvieren waren. Es traf mich wie ein Schock: Bei der ersten Probeklausur verkrampfte meine linke Hand, kein selbst gedachtes Wort ließ sich mehr zu Papier bringen. Ich versuchte, zurück zur rechten Hand zu wechseln: Zu spät! Mit rechts ging gar nichts mehr! Ich bekam eine Art „emotionalen Overflow“, und rettete mich für meinen Weinanfall auf die Toilette.

 

Es war eben doch etwas ganz anderes, den Intellekt zur Beantwortung von Prüfungsfragen zu veranlassen, und diese zur Schreibhand zu schicken, als das eigene (Wohl-) gefühl zu verschriftlichen.

 

Nun begann die schmerzhafte Zeit der Aufarbeitung. Ich brauchte dabei keine intensive, aber eine stetige Betreuung, einen Austausch mit und Unterstützung durch weitere Personen. Dies waren meine Frau, und die Linkshänderberaterin meines Sohnes.  

 

Es kam dann der Punkt, an dem ich mir klarmachte: Vielleicht schaffe ich diese Ausbildung nicht, aber meine Linkshändigkeit, die will ich mir zurück erobern und bewahren.

 

Schritt für Schritt wurde es besser, und nach vier Jahren schrieb ich meine vier- und fünfstündigen Abschlussexamina mit sehr guten Noten. Natürlich alles mit links.

 

Zugegeben: Nicht schön anzuschauen, im Gegenteil: Was für eine „Klaue“! Aber schön ist es, darauf trotzdem stolz sein zu können!

 

Abschließend bleibt zu erwähnen, dass ich mich neuerdings manchmal dabei ertappe, doch wieder mit rechts zu schreiben. Ein „emotionaler Overflow“ wird dadurch aber nicht mehr ausgelöst.