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Warum kann es durch die Umschulung der Händigkeit überhaupt zu Problemen kommen?

Nach heutigem Stand der Forschung ist die Händigkeit eines Menschen angeboren. Welche Hand die überlegene sein wird, ist von Anfang an in unserem Gehirn angelegt. In diesem Sinne ist die Links- bzw. Rechtshändigkeit eines Menschen nicht veränderbar. Der Handgebrauch kann davon abweichen, wenn motorische Schwächen vorliegen, Nachahmungsverhalten oder Erziehung die Handbevorzugung beeinflussen.

Die Umschulung zum Schreiben mit der nicht dominanten Hand, führt zu Fehlbelastungen und Blockaden im Gehirn. Diese können Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden des Betroffenen in individuell unterschiedlichem Maß stören. Die Erfahrung zeigt leider, dass die Schwere der Problematik nicht davon abhängt, ob sich ein Mensch durch Nachahmung seines rechtshändigen Umfelds bereits vor der Schulzeit selbst umgeschult hat oder gezwungen wurde, mit der rechten Hand zu schreiben.

Manche umgeschulten Linkshänder  kompensieren die Belastungen,  so dass es zu keinen nach außen sichtbaren Beeinträchtigungen kommt. Andere beobachten an sich Schwächen in einzelnen typischen Bereichen.  Eine dritte Gruppe ist stärker betroffen und hat weitreichende und massive Probleme, die sich auf alle wichtigen Bereiche des Lebens negativ auswirken. 

In folgenden Bereichen können Störungen auftreten (Umschulungsfolgen1))

Gedächtnisstörungen

- besonders unter Stress, z.B. beim Abrufen von Lerninhalten kommt es oft zum "Blackout"

- Auswendig gelerntes wird sehr schnell wieder vergessen 

Konzentrationsstörungen

- Kinder werden motorisch unruhig, reden übermäßig mit dem Banknachbarn

- die unauffällige Variante: das Kind "träumt" still vor sich hin, anstatt dem Unterricht zu folgen

legasthene Probleme

- aufgrund zahlreicher Rechtschreibfehler besteht nicht selten Verdacht auf Legasthenie

- Buchstaben und/oder Zahlen werden auch noch in höheren Klassen verdreht geschrieben oder beim Lesen verwechselt (z.B. bd oder pq)

Raum - Lage - Labilität

- die Unterscheidung der Richtungen "rechts" und "links" gelingt auch beim Schulkind nur schwer, die Richtung muss gezeigt werden

 

 

Sprachstörungen

- ein Kind das vorher nie Sprachstörungen hatte, beginnt im Schulalter zu stammeln oder zu stottern, weil Worte zwar "auf der Zunge liegen", aber nicht immer abrufbar sind

- es hat ab Schulbeginn allgemein Schwierigkeiten, sich verständlich auszudrücken

Feinmotorische Probleme

- das Schreiben mit der nicht dominanten Hand führt zu Verkrampfungen, die sich auf Schreibgeschwindigkeit und Schriftbild auswirken

- allgemeine Ungeschicklichkeit bei handwerklichen Tätigkeiten

Für alle dargestellten Störungen gilt:

Es gibt neben der Umschulung der Händigkeit auch andere Ursachen, die zu ähnlichen Problemen führen können. 

Beobachtet man parallel zu den Problemen jedoch auch wechselnde Handbevorzugung, weist dies möglicherweise auf eine Umschulungsproblematik hin.

1)Sattler, Johanna Barbara, Der umgeschulte Linkshänder oder der Knoten im Gehirn, Auer, Donauwörth, 7. Auflage 2002